Letzte Verpackung?
Bestattungsbräuche in römischer Zeit
Über den Tod zu reden ist ein schwieriges, viel Takt erforderndes Unterfangen. Für den Archäologen hat die Beschäftigung mit dem Thema aber eine ganz andere Färbung: Die Angst, die Trauer, die Leere, die der Tod sonst hervorruft, weicht der Neugier des Forschers und der Allgemeinheit, die mehr über ein Volk oder eine Gesellschaft erfahren wollen.
Auf der Suche nach Antworten ist auch die Welt der Toten Ziel archäologischer Ausgrabungen und Untersuchungen. Unterstützt werden die Archäologen dabei von Spezialisten anderer Fachrichtungen, allen voran der Anthropologie.

Die Erforschung eines Friedhofs endet nicht mit der Bergung von Gräbern und den Überresten der Verstorbenen. Insbesondere in römischer Zeit umfassen die Bestattungsbräuche zahlreiche Riten, die Spuren im Boden hinterliessen.
So wurden dem auf dem Scheiterhaufen aufgebahrten Verstorbenen – die Brandbestattung war die häufigste Art der Beisetzung – eine ganze Reihe von ritualisierten Handlungen und festlichen Aktivitäten zuteil. Auf dem Scheiterhaufen gingen nicht nur die sterblichen Überreste geliebter Männer, Frauen und Kinder in Flammen auf, sondern auch Opfergaben, darunter zum Beispiel in Gefässen dargebotene Speise- und Trankopfer.
Die zur Aufbahrung angelegten Kleider, das Totenmahl, die Gegenstände, die dem Verstorbenen im Leben wichtig und es für seine Reise ins Jenseits ebenfalls waren, folgten ihm ins Grab: Schmuck und Kleinodien, Utensilien zur Körperpflege, Spielgerät, Werkzeug und Instrumentarien. Seine sterblichen Überreste schützten Kisten aus zusammengestellten Ziegeln, Holzkästen oder Glas- und Keramikurnen – fragile und vergängliche Behälter, gedacht für die Ewigkeit...

In Vindonissa fanden sich Fibeln und Schuhnägel, Knochen von Wild- und Haustieren, Samen von Linsen und Bohnen, Oliven- und Dattelkerne, Haarnadeln, Parfümflakons, Spiele, Schmuckkästchen, Lampen und Münzen. Unter diesen eher alltäglichen Zeugnissen finden sich manchmal auch Besonderheiten, wie die Reste eines Totenbetts oder das Instrumentarium eines Arztes – in diesem Fall einer Ärztin. Wenn man dann noch bedenkt, was alles ein Raub der Flammen wurde: Blumenkörbe und –girlanden, Duftöl, Decken und Kissen, Getränke aller Art...
Die neue Sonderausstellung im Musée Romain de Vallon präsentiert und erklärt diese Dinge. Zusammen mit den schriftlichen Überlieferungen kann man sich so ein lebendiges Bild vom Tod jener Zeit machen. Sie erzählt nicht nur von der minutiösen Arbeit, die die Bergung und Konservierung jedes Objekts von seiner Entdeckung bis zu seiner Ausstellung in einer Vitrine erfordert, sondern auch seine Geschichte und die seines ehemaligen Besitzers.

Im Erdgeschoss empfangen den Besucher rekonstruierte Bestattungen (Vindonissa-Museum) und solche, die noch der Ausgrabung harren (Amt für Archäologie des Kantons Freiburg). Im oberen Stockwerk sind ein in natürlicher Gösse nachgebauter Scheiterhaufen sowie zahlreiche Texttafeln und Vitrinen mit Fundstücken zu besichtigen, die die verschiedenen Aspekte dieses breit gefächerten Themas illustrieren.
Diese vom Vindonissa-Museum in Burgg konzipierte Ausstellung über die Welt der Toten in römischer Zeit war schon an zahlreichen Orten zu sehen. Vallon ist ihre letzte Station – und die erste im französischen Sprachraum!
Dernier emballage? / Letzte Verpackung?
Sonderausstellung des Vindonissa-Museums Brugg,
übernommen und adaptiert vom Musée Romain de Vallon in Zusammenarbeit mit dem Amt für Archäologie des Kantons Freiburg
Geöffnet vom 10. März bis 29. Juli 2007
Mittwoch-Sonntag, 11-17 Uhr
Das Begleitheft zur Ausstellung "Unter des Erde" (deutsch) ist für 9.- sfr. an der Museumskasse erhältlich
Weitere Auskünfte erhalten Sie unter:
Musée Romain Vallon
Carignan
1565 Vallon
Tél. 026 667 97 97
Fax 026 667 97 99
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